San Riemo

München

An der Kreuzung treffen beide Gebäudeteile –Scheibe und Filialturm– aufeinander und stehen im Dialog. Die architektonische und programmatische Verdichtung bildet den Abschluss der mäanderförmigen Hofrandbebauung.

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Zum Hof zeigt sich die Gemeinschaft: Eine vorgelagerte robuste Struktur bildet Nischen und Freiräume zur Aneignung.

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Die Basiswohnungen weisen ein konventionelles Verhältnis von gemeinschaftlichen Wohn- zu Individualräumen auf. Die Wohnung ist die bestimmende Raumeinheit. Ganz anders funktionieren die Filial-Wohnungen: Zugunsten eines kollektiv bespiel- und gestalbaren Raums, reduziert sich die individuelle Wohnfläche. Ein Teil des alltäglichen Lebens verlagert sich hinaus in den Filialturm.

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Die Wohngruppe organisiert sich in mehreren Einheiten um Bad und Diele. Von dort lässt sich auf eine grosszügige Enfilade unterschiedlicher Gemeinschaftsräume zugreifen.

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Im Nukleuswohnen werden unterschiedliche Formen des Zusammenlebens durch eine Raumstruktur bedient, die neben dem «Schalten» von Individualräumen auch ein «Teilen» von Zimmern für Spiel, Arbeit oder Hobbys ermöglicht.

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Schränke und Badkörper gliedern den offenen Raum und lenken den Blick in die Tiefe der Wohnung. Tagsüber entsteht eine grosse Transparenz zwischen Strassen- und Hoffassade. In der Nacht oder zum Rückzug werden die Schiebetüren für eine individuelle Kammerung geschlossen.

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Durch das Auflösen von festen Kammern in eine fliessende Raumstruktur «atmet» die Wohnung  ganz alltäglich: Die Nutzer definieren notwendige Raumgrössen, Durchlässigkeit und Geborgenheit, Teilnahme und Abgrenzung durch Öffnen und Schliessen. Trotz reduzierter Wohnungsgrösse entsteht so räumlicher Reichtum und Weite. 

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Strassenseitig profitieren die Wohnungen von einer vielseitig bespielbaren Schwellenzone, die vereinzelt raumhoch geöffnet werden kann und sich so bei Abendsonne als zusätzlicher Aussensitzplatz entpuppt.

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Kollektiv und Selbstbestimmung

München Riem: Grossräumige Grünanlagen, weite Strassenzüge und ein Messegelände; gleichzeitig die Sehnsucht nach gemeinschaftlichem Leben und Grossstadt.

Kooperation in der Grossstadt entsteht dann, wenn das Schaffen von Lebensraum von Vielen mitgestaltet und getragen werden kann. Die Architektur verliert ihre Berechtigung und Autonomie dabei nur, wenn sie sich nicht mehr auf das Wesen ihrer Disziplin konzentriert – das Entwerfen und Konstruieren von gut nutzbaren, langlebigen und atmosphärisch reichen Räumen. Diese müssen in ihren Grundzügen angelegt, jedoch nicht vollumfänglich bestimmt sein.

Kann eine einzige bauliche Struktur ganz unterschiedliche Wohnformen einen? Dabei flexibel genug sein für Unerwartetes, aber spezifisch zugleich, um als neuer Ort Qualität zu entfalten?

Robuste Architektur kann nicht eigenschaftslos sein. Sie unterliegt in ihrer Grundstruktur städtebaulich wie konstruktiv einer räumlichen Deutung von Ort und Programm. Dies gelingt auch mit wenigen gezielten Mitteln: Durch das Anlegen von spannungsvollen Raumfolgen, die von der Stadt bis zur Schwelle des Individualraums reichen und von dort wieder Blicke hinaus freigeben. Und durch die räumliche Dimension des Rohbaus.

Jeder der vier Wohntypen im Haus für die Kooperative Grossstadt besitzt sein eigenes Verhältnis von Individualität und Gemeinschaft. Alle bieten unterschiedliche Raumgefüge innerhalb der gleichen Struktur. Die Architektur schafft den verbindenden Rahmen und bleibt doch offen.

 

San Riemo, München

1. Preis, offener Wettbewerb, 2017, München

Auftraggeberin: Kooperative Grossstadt eG